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Überbiss korrigieren: Methoden und Kosten

Der Überbiss entsteht durch eine Fehlstellung der Zähne, die sich besonders bei Kindern relativ gut mit einer Zahnspange behandeln lässt. In komplizierten Fällen vor allem bei Erwachsenen kann eine Operation nötig sein.

Was ist ein Überbiss?

Beim Begriff Überbiss ist die korrekte Definition von der landläufigen Bezeichnung einer typischen Zahnfehlstellung als Überbiss zu unterscheiden. Medizinisch korrekt ist der Überbiss das Lageverhältnis der Frontzähne im Oberkiefer zu denen im Unterkiefer.

Dabei herrscht im Normalfall immer ein kleiner Überbiss: In jedem gesunden Gebiss schliessen die Oberkieferfrontzähne über den Unterkieferfrontzähnen, sie „überbeissen“ sie also. Bei einer optimalen Lage der beiden Zahnreihen entsteht ein gesundes Scherengebiss. Es kann aber eine Fehlstellung bestehen, welche die Kieferorthopädie als Prognathie bezeichnet.

Arten

Beim Überbiss werden der Overbite und der Overjet voneinander unterschieden. Sollte einer von beiden ausserhalb der Norm liegen, handelt es sich um eine Fehlstellung.

Overbite

Der Overbite ist der vertikale Überbiss, den Zahnärzte als superior-inferior bezeichnen. Es ist also die von oben nach unten (oder umgekehrt) betrachtete Lagebeziehung der Frontzähne. Für die Ermittlung misst der Zahnarzt den Abstand zwischen den Schneidekanten der oberen und unteren Zähne.

Wenn diese genau aufeinander beissen, ist der Overbite null. Wenn sie gar keinen Kontakt bekommen, hat die Patientin einen frontal offenen Biss. Sollten die Oberkieferzähne die Unterkieferfrontzähne vollständig bedecken, ist der Biss tief bis zum Deckbiss.

Overjet

Der Overjet ist der horizontale Überbiss (anterior-posterior). Für die Ermittlung misst der Zahnarzt den grössten Abstand zwischen den Kanten der mittleren vorderen Zähne unten und oben. Auch hier gibt es einen Nullwert, wenn die Schneidekanten direkt aufeinander beissen. Es kann auch wahlweise die Oberkiefer- oder Unterkieferfront vorn liegen, was zu einem Unter- oder Vorbiss führt.

Diagnose

Für die Diagnose stellt der Zahnarzt die Abweichung vom normalen (eugnathen) Gebiss fest. Dieses zeigt einen Overbite von 1,0 bis 2,0 mm und einen Overjet von 2,0 bis 3,0 mm. Wie eingangs erwähnt überdecken im Normalfall die Oberkieferfrontzähne leicht die Unterkieferfrontzähne.

Sollte es hiervon eine Abweichung geben, diagnostiziert der Zahnarzt die Prognathie, die landläufig als der behandlungsbedürftige Überbiss verstanden wird. Zu erwähnen sei noch der eher seltene Kopfbiss, bei dem es keinen Überbiss gibt, sondern die oberen und unteren Schneidezähne direkt aufeinander treffen.

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Wodurch kommt es zu einem Überbiss?

Für die Entstehung eines Überbisses gibt es ein Bündel von Ursachen:

  • Vererbung: Wie in Familien zu sehen ist, wird der veränderte Überbiss stark vererbt. Die Form und die Grösse der Zähne und Kieferknochen sind genetisch festgelegt.
  • Gewohnheiten: Menschen gehen mit ihren Zähnen gewohnheitsmässig um. Sie entwickeln „Habits“, die vor allem im frühkindlichen Alter die Entstehung des Überbisses begünstigen. Das sind vorrangig Nuckelgewohnheiten am Schnuller, der Flasche oder gar am Daumen.
  • Vernachlässigung der Zahnpflege: Auch im fortgeschrittenen Alter begünstigen eine schlechte Mundhygiene und mangelhafte zahnärztliche Kontrollen solche Fehlstellungen.
  • Zungenstossen: In jedem Lebensalter, vorrangig aber bei Kindern und älteren Menschen mit ungesundem Zahnfleisch kann der Druck der Zunge beim Sprechen und Schlucken den abnormen Überbiss fördern.
  • Zahnverlust: Kinder und Menschen etwa ab dem 45. Lebensjahr verlieren Zähne. Dabei nehmen benachbarte Zähne den leeren Raum der Zahnlücke ein. Es verändert sich der Zahnbogen, Fehlstellungen entstehen.
  • Disproportionen der beiden Kiefer: Wenn der Ober- und der Unterkiefer unterschiedlich wachsen, führt dies zur beschriebenen Zahnfehlstellung.

Folgen

Menschen mit einem abnormen Überbiss haben Schwierigkeiten beim Kauen, können bisweilen manche Laute nur schlecht bilden (vor allem Konsonanten), sind einem erhöhten Kariesrisiko ausgesetzt und leiden selbstverständlich unter der suboptimalen Ästhetik.

Daher gilt es, die Fehlstellung bei Kindern frühzeitig zu diagnostizieren, weil es dann wenig invasive Methoden der Behandlung mit einer Zahnspange gibt. Auch erwachsene Patienten können in jedem Alter ihren Überbiss korrigieren lassen.

Methoden zur Korrektur eines Überbisses bei Kindern und Erwachsenen

Für die Korrektur des Überbisses gibt es viele Methoden. Bei Kindern, deren Zähne und Kieferknochen noch wachsen, sind Zahnspangen das Mittel der Wahl. Es gibt sie in verschiedenen Varianten. Auch Erwachsene können eine Zahnspange tragen, doch manchmal ist eine OP erforderlich.

Feste Zahnspange aus Keramik

Die sogenannten Keramikbrackets gibt es schon sehr lange. Es lassen sich damit fast alle Zahnfehlstellungen behandeln. Darüber hinaus gibt es auch immer noch Metallbrackets, doch die Keramikbrackets sind zahnfarben und fallen dadurch viel weniger auf. Prinzipiell sind sie aber sichtbar, was vor allem erwachsene Patienten als höchst nachteilig empfinden.

Ein weiterer Nachteil ist die Härte des Materials: Diese übertrifft die Härte des Zahnschmelzes und könnte ihn bei einem sehr tiefen Überbiss beschädigen. Dann ist diese Variante nicht zu empfehlen. Keramik geht darüber hinaus eine starke adhäsive Verbindung mit dem Zahnschmelz ein und lässt sich nur aufwendig wieder entfernen.

Unsichtbare Zahnspange

Wünschenswert ist immer die unsichtbare Zahnspange, die es als feste und herausnehmbare Variante gibt.

Feste unsichtbare Zahnspange

Die feste unsichtbare Incognito-Zahnspange wird zungenseitig (lingual) befestigt. Es ist ein Gipsmodell der Zähne erforderlich. Eine Incognito-Zahnspange können Menschen in jedem Alter tragen.

Es sei darauf hingewiesen, dass das erwachsene Gebiss hierauf weniger gut als das kindliche Gebiss reagiert, dessen Zähne und Knochen noch wachsen. Die Incognito-Zahnspange bleibt drei Monate bis zweieinhalb Jahre im Mund.

Lose unsichtbare Zahnspange

Die unsichtbare Zahnspange kann auch lose und damit täglich herausnehmbar sein. Sie sitzt an kleinen Verankerungspunkten aus Kunststoff, die der Zahnarzt auf die Zähne klebt. Er zeigt auch, wie die lose unsichtbare Zahnspange eingesetzt und herausgenommen wird. Das empfiehlt sich beim Essen und bei der Zahnpflege.

Kieferchirurgischer Eingriff

Bei einer starken Zahnfehlstellung und/oder im fortgeschrittenen Alter ist manchmal ein kieferchirurgischer Eingriff erforderlich. Damit korrigiert der Kieferorthopäde die Fehlstellung eines oder beider Kiefer, die zum Überbiss führt. Danach tragen die meisten Patienten noch für kürzere Zeit eine Zahnspange.

Was kostet eine Überbiss-Korrektur?

Die Kosten für Zahnspangen betragen je nach Variante zwischen CHF 6´000 und 12´000. Die Kosten für eine Kiefer-OP liegen übrigens in einem ähnlichen Bereich. Für die Kostenübernahme gibt es leistungsfähige Zahnzusatzversicherungen.

Die gesetzliche Grundversichung übernimmt die Kosten, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, wovon bei Kindern grundsätzlich auszugehen ist. Erwachsene Patienten sollten das Thema mit ihrer Grundversicherung im Vorfeld besprechen.

Fazit

Der veränderte, behandlungsbedürftige Überbiss lässt sich grundsätzlich in jedem Lebensalter behandeln. Eltern sollten mit ihren Kinder regelmässig zur zahnärztlichen Vorsorge gehen und sich diesbezüglich beraten lassen.

Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ein Überbiss behandelt werden?

Grundsätzlich mit dem Wachstum der zweiten Zähne und so zeitig wie möglich.

Wie lange dauert es, einen Überbiss zu korrigieren?

Mit einer Zahnspange dauert die Korrektur zwischen drei Monaten und zweieinhalb Jahren.

Was kann man gegen einen Überbiss machen?

Es sind das Tragen einer Zahnspange und eine Kiefer-OP möglich.

Ist es möglich, einen Überbiss ohne Zahnspange zu korrigieren?

Ja, mit einer OP. Das ist aber nur in schweren Fällen zu empfehlen. Ansonsten ist die Zahnspange das Mittel der Wahl.

Dr. med. dent. Barbara Scheiner

Dr. med. dent. Barbara Scheiner, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie (CH) hat ihre Promotion im Jahr 2013 erfolgreich in Zürich absolviert. Sie hat sich damit ihren langjährigen Traum erfüllt. Durch die universitäre Fachzahnarztausbildung ebenfalls in Zürich spezialisierte sie sich als Kieferorthopädin und ist seit  2017 nach erfolgreich bestandener Prüfung als “Fachzahnärztin für Kieferorthopädie Schweiz” zertifiziert. 

Seit dem Jahr 2018 ist sie Inhaberin der Praxis We Love Smiles Kieferorthopädie Zürich AG. Ihr Wissen wendet sie in ihrer Schweizer Praxis erfolgreich und mit großer Hingabe an. Ihr Fachgebiet sind Zahnstellungskorrekturen bei  Kindern und Erwachsenen. 

Kundenzufriedenheit und Professionalität stehen dabei immer an erster Stelle. Sie geht dabei äußerst behutsam und schonend vor, sodass sich auch die kleinsten Patienten wohl bei ihr fühlen.